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Donnerstag, 14. Dezember 2017

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Die Mobilität der Zukunft ist anders!

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Beschäftigt man sich mit der Mobilität der Zukunft, reicht es nicht, in den bewährten Strukturen zu denken. Visionen und Lösungen müssen  vor dem Hintergrund der weltweiten ökonomischen, gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen entworfen werden. Es sind Entwicklungen im Gange, die die wirtschaftliche Vorherrschaftsstellungder USA und Europas beenden. Damit einher geht die permanente Finanzkrise, die für viele Menschen gerade in den USA und in Europa einen Abschied von gewohnten Sicherheiten oder gar den Abstieg in die Armut bedeutet.

Gleichzeitig werden die wirtschaftlich aufstrebenden Nationen künftig die bedeutendsten Absatzmärkte insbesondere für die Automobilindustrie. Die Verlagerung der Produktionsstandorte hin zum Abnehmer ist da eine logische Konsequenz. Betrachtet man die Anzahl der Arbeitsplätze in und um die Automobilindustrie, stellt sich die Frage, welche Folgen dies für die jeweiligen Standorte und Länder haben wird

Die Epoche der Produktion in kleinen Räumen und Mengen bricht jetzt an

Weil es der deutschen Industrie und ganz besonders der Automobilindustrie noch so unfassbar gut geht, verwundert es nicht, dass man in Deutschland den Kopf besonders tief in den Sand steckt. Das heißt: All die großen Veränderungen, die sich schon jetzt wie hohe Wogen eines Tsunamis über uns auftürmen, werden weiter verdrängt und zugedeckt.
Dieses Sich-selbst-Belügen bedeckt wie eine schwarze Wolke Deutschlands Himmel. Vor uns liegt die Geburt eines neuen akademischen Forschungsgebiets: nämlich der „Soziologie der Ignoranz“.
In lockerer Analogie zu Sigmund Freud wird man künftig die Frage stellen: „Wie kann man die Verdrängung von gesellschaftlichem Wissen erklären?“ – so wie Freud diese Verdrängung für Individuen erklärt hat. Deutschland wird für dieses neue Gebiet einen vortrefflichen Untersuchungsgegenstand abgeben. In wenigen Jahren wird man sich angesichts von drei Entwicklungen, die immer deutlicher zutage treten, eingestehen müssen,dass die heute kursierenden Studienund Prognosen letztlich nichts anderes darstellen als gefährliche Schlafmittel,die das Aufwachen verzögern sollen. Die Tatsache, dass man diese mächtigenEntwicklungen auch noch im Jahr 2013 verdrängen konnte, wird völlig unglaublich erscheinen. (Man wird schreiben über die Berge versetzende Kraft der Wissen verdeckenden Ignoranz.)

Von folgenden drei Entwicklungen ist die Rede:

1. Die weltweite Aufspaltung der Bevölkerung in 20 Prozent, die in immer luftleerere Höhen des Papier-Reichtums hinaufflattern, und 80 Prozent, die immer tiefer im Sumpf der Armut und Erwerbslosigkeit versinken. Wenn Sie diese Zeilen lesen, möchte ich Sie von Mensch zu Mensch fragen, wie es möglich ist, dass dieser Megatrend in den Prognosen fürdie deutsche Automobilindustrie nicht erwähnt wird? Wie ist es zu begreifen, dass etwa die Hälfte von Europa (wir reden nicht von Indien oder Afrika) in die Armut versinkt (Italien, Portugal, Spanien, Griechenland etc.), diese Tatsache aber in den sogenannten Studien nicht berücksichtigt wird?

2. Der enorme kulturelle Wandel, der sich in vielen westlichen Ländern in atemberaubendem Tempo vollzieht. Was meine ich damit? Die Verschiebung vom „Besitztum“ zum „Erlebnis“. Etwas zu besitzen, und eben im Besonderen ein Auto, ist für die jetzt heranwachsende Generation unvergleichlich weniger reizvoll (der Besitz von einem Auto ist sogar mit sehr viel Negativem verknüpft) als das Eintauchen in verschiedene Erlebniswelten. Damit ist ein Erlebnisspektrum angesprochen, das von Essen über Musik und Extremsport bis hin zu Begegnungen mit interessanten Menschen reicht. Das Paradebeispiel ist wohl das Smartphone, das in Bezug auf Status und Identität dem Auto den Rang abläuft. Es ermöglicht im Handumdrehen einen Sternschnuppenregen von Erlebnissen.

3. Die enormen Veränderungen, weche bestimmte neue Technologien zur Folge haben werden. Man redet viel über Elektro-, Bio-, Luftdruck- und weiß Gott was für Antriebe. Vielleicht greift diese Diskussion über neue Antriebskonzepte aber zu kurz. Die Veränderungen, von denen hier die Rede ist, spielen sichin gänzlich anderen Größenordnungen ab und haben mit ganz anderen Entwicklungsgebieten zu tun: viel mehr mit dem Sozialen, mit der Struktur und der Organisation der kommenden Städte, mit der Neustrukturierung der Produktion und noch umfassender mit der Neuorganisation der Arbeit. Dass die Arbeit neu organisiert werden muss, ist für sehr vile Menschen zur Selbstverständlichkeit geworden. Ein Aspekt wird dabei aber noch nicht genügend berücksichtigt: das Potenzial bestimmter Technologien (zum Beispiel Fabrikatoren), das sich in naher Zukunft voll entfalten wird.

Sehr abgekürzt formuliert: Das Zeitalter der gigantischen Fabriken neigt sich dem Ende entgegen und die Epoche der Produktion in kleinen Räumen und Mengen bricht jetzt an. Produktion in kleinen Räumen, das bedeutet, dass man im Prinzip überall, also auch in Dörfern und in entlegenen Gegenden, fabrizieren kann. Das hätte letztlich eine radikale Umkehr zur Folge: Die Arbeiter fahren nicht mehr zur Arbeit, sondern die Arbeit kommt zu ihnen. Was bedeutet das? DieAbschaffung des Pendelns.

Dass diese drei offensichtlichen Entwicklungen nicht registriert werden, macht deutlich, wie tief die Köpfe noch im Sand stecken. Ein sinnvolles Nachdenken über die Zukunft der Auto-Mobilität kann erst beginnen, wenn wir den Kopf aus dem Sand ziehen. Die Vorbedingungen sind also:

1. Sich der Spaltung in Arm und Reich bewusst werden und die Frage stellen, wie diese Spaltung die Zukunft der Mobilität gestalten wird.
2. Sich im Rahmen des kulturellen Wandels damit auseinandersetzen, wie der Wechsel vom Besitzen-Wollen zum Erleben-Wollen die Zukunft der Mobilität formen wird.
3. Sich die Konsequenzen vor Augen zu führen, die aus der Neuorganisationder Arbeit entstehen – wenn Arbeit nicht mehr als der uns knebelnde Tyrann verstanden wird, sondern als etwas, das uns erfüllt und zusätzliche Kraft gibt.

Ein Resultat solchen Nachdenkens ist der Steyrer. Die Konzeption dieses Elektromotorrads basiert auf dem Know-how und der Zusammenarbeit unterschiedlicher Automobilzulieferer.  So ist ein leistungsfähiges und durchdesigntes Produkt von nachhaltiger Qualität entstanden. Angeboten wird es im Bausatz für die Eigenproduktion. Alternativ kann es auch in der Werkstatt des Herstellers
unter Anweisung von Experten zusammengebaut oder fertig montiert geliefert werden.

Der Clou an der Sache ist:
Die Produktion ist gedeckelt. Übersteigt die Nachfrage die Produktionskapazitäten, wird ein neues Produktionszentrum, eine sogenannte Microfabrik, in der angrenzenden Region gegründet. Das bedeutet: Arbeitsplätze in der eigenen Region für die eigene Region. Neben der Art und Weise der Produktion müssen die Automobilhersteller in Europa und den USA aufgrund immer knapperer und dadurch teurer werdenden Ressourcen auch ihr Geschäftsmodell überdenken. So ist es denkbar, dass in Zukunft das Auto Eigentum des Herstellers bleibt. Dadurch könnten Recyclingprozesse schon bei der Konstruktionberücksichtigt und entsprechend die Ressourcen viel effektiver wiederver-wendet werden. Von großer Bedeutung für künftige Geschäfts- und Nutzungsmodelle ist auch die Weiterentwicklung des selbstfahrenden Autos. So könnte es bald Autos geben, die auf Bestellung vorgefahren kommen und deren Nutzung mit dem jeweiligen Hersteller verrechnet wird. Darüber hinaus könnten Automobilhersteller künftig auch eine Vielzahl an Fahrzeugbausätzen oder Teilbausätzen für die Eigenproduktion anbieten – beispielsweise, um kleinere Fahrzeuge für Kurzstrecken zu produzieren – und zwar direkt vor Ort. Bereits heute gibt es weltweit sehr unterschiedliche Fahrzeuge.

Dies hängt maßgeblich mit der Kaufkraft der Kunden auf den verschiedenen Absatzmärkten, aber auch mit der jeweiligen Kultur zusammen. In Indien werden beispielsweise gerne Rikschas, Fahrräder und Mopeds verwendet. Die Technologien, die heute schon verfügbar sind, können vieles erleichternund Menschen ermächtigen, sich aus Abhängigkeiten zu befreien. Jede neue Entwicklung braucht jedoch auch einen kulturellen Wandel, der meistens langsamer vonstatten geht als der technologische Fortschritt. Die Voraussetzungen sind geschaffen: Wir haben das Internet,das Menschen mit einander verbindetund Expertenwissen verfügbar macht.

Wir haben neue Technologien wie zum Beispiel den Fabrikator, mit dem Teile jeglicher Art produziert und großflächig eingesetzt werden können. Wir haben einen gesellschaftlichen Wandel hin zu einer Kultur des Teilens. Auch in Bezug auf Patente und Schutzrechte steht man vor einem neuen Umgang mit geistigem Eigentum (Stichwort: creative commons) – ein guter Weg, Ideen von Kleinen vor der Übernahme durch Große zu schützen.

FABRIKATOREN

Unter Fabrikatoren versteht man Geräte, die aus digitalen Informationen (beispielsweise Konstruktionsplänen) dreidimensionale Gegenstände erzeugen können. Dabei unterscheidet man subtraktive Fabrikatoren, die einen bestimmten Gegenstand aus einem Rohmaterial herausfräsen beziehungsweise -schneiden, von additiven Fabrikatoren, welche einen Gegenstand aus einem Grundwerkstoff aufbauen. Letztgenannte Fabrikatoren sind als 3-D-Drucker bekannt. Der große Vorteil von 3-D-Druckern ist, dass bei der Produktion nur so viel Material anfällt, wie tatsächlich benötigt wird (es gibt also keinen Verschnitt)

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Frithjof Bergmann
lehrte als Philosophieprofessor in Princeton, Stanford, Chicago, Berkeley und Ann Arbor. 1984 gründete er das erste „Zentrum für Neue Arbeit“ in der legendären Automobilstadt Flint (Michigan).
Seit den 80er-Jahren berät Bergmann neben Unternehmen, Gewerkschaften, Regierungen und Kommunen auch Jugendliche und Obdachlose zur Zukunft der Arbeit und zum Innovationspotenzialneuer Technologien. www.neuearbeit-neuekultur.de

Katrin Steglich
berät bei Curious Minds im Bereich „Vernetztes Lernen“ und leitet bei Flow_Zone Research.Facilitation.Engagement den Bereich Education & Engagement. Sie ist Mitglied des Vorstands von NewWork NewCulture.Networks. www.curious-minds.com

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