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Samstag, 19. August 2017

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Das Ende der Banken wie wir sie kannten

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Die Bilanz der größten Nachhaltigkeitsbank der Republik sieht auch für 2014 wieder gut aus: Um 12 Prozent wuchs die Summe, um 15 Prozent Kunden und Mitgliederzahlen. Die Geldpolitik der EZB stößt bei den Good-Bankern jedoch auf massive Kritik. Bilanzpressekonferenz der GLS Bank: Noch vor den Zahlen fasst Vorstandssprecher Thomas Jorberg die allgemeine Situation für die Bank zusammen. Ganz knapp: "Unser Geschäftsmodell ist entwicklungsfähig", sagt er. Da hat er wohl recht: Die Zahlen sind für die GLS Bank zwar durchaus positiv, konventionelle Banken würden sich danach sehnen, so groß, wie in den vergangenen Jahren ist das ethisch-ökologische-Bilanzwachstum jedoch nicht mehr.

GLS Bank sucht Schuldner mit Sinn für Nachhaltigkeit

2012 wuchs die Bank noch um 20 Prozent, um 23 Prozent bei den Kunden, um 26 Prozent die Einlagen und die Kredite, war Gewinner der Krise. Ein Jahr später hieß es schon: Wieder mehr Luft nach oben. 19 Prozent mehr in der Summe, 16,6 Prozent mehr Kredite, 16 Prozent mehr Kunden, ca. 2000 pro Monat waren es 2013. Durchschnittlich 1900 kamen auch 2014 jeden Monat hinzu, das ist ein Zuwachs um 14 Prozent. Knapp 190000 sind es nun insgesamt. 4900 Menschen konnte die GLS Bank als Genossenschaftsmitglieder gewinnen (15,1 Prozent).

Mit mehr Kunden und Mitgliedern wuchs die Bilanzsumme um 12,4 Prozent auf 3,64 Milliarden Euro, das Wachstum der Kundeneinlagen lag nur noch bei 12 Prozent, dafür stiegen die Kundenkredite um 17,3 Prozent auf 1,919 Milliarden Euro. Der Bilanzgewinn erreichte 5,763 Millionen Euro. Davon profitierten in der von Arbeitsplatzverlusten gebeutelten Stadt Bochum auch neue Mitarbeiter. 69 kamen 2014 neu hinzu, ein Wachstum um 13,3 Prozent auf 519 insgesamt. Das erscheint wenig, doch in Zeiten, wo Banken kontinuierlich Mitarbeiter abbauen, ist das immerhin ein kleiner Lichtblick, zumal diese Arbeitsplätze auch noch den Wandel voranbringen. Zwar ist die GLS Bank unter den 1800 deutschen Banken nicht gerade groß, aber unter den vier ethisch-ökologischen die Größte und mit knapp 41 Jahren die Älteste. Zum Vergleich: Allein die lokal tätige Sparkasse Bochum hatte 2013 1270 Mitarbeiter (15 weniger als 2012) und ein Bilanzvolumen von 5,67 Milliarden Euro, 3,7 Prozent mehr als 2012.

Bei den gegenwärtigen GLS-Zahlen wird es wohl auch zukünftig bleiben, meinte Pressesprecher Christof Lützel: "Ein weiteres Wachstum von 12 bis 15 Prozent bei Bilanz, Kunden, Mitarbeitern ist wahrscheinlich." Weil die GLS Bank nur in sinnvolle Anlagen und Projekte wie Bildung, Soziales, Wohnen, Ernährung und Erneuerbare Energien investiert, läuft auch der Wandel zur Nachhaltigkeit auf kleinerer Flamme. Zwar seien laut Umfragen 35 Prozent der Menschen Fragen der Ernährung und 26 Prozent Fragen der Energie "sehr wichtig", Banken hielten jedoch nur 16 Prozent für "sehr wichtig", führte Jorberg aus. Ihre frühere Glaubwürdigkeit hätten die Banken nach der Finanzkrise 2007 noch nicht wieder erreicht, selbst die zahllosen Regulierungen hätten nicht zu neuem Vertrauen geführt. Der Bankensektor leide unter der geringen Akzeptanz, den niedrigen Zinsen, der "Überregulierung" und Finanztechnologien wie Paypal, Apple Pay und Google Wallet.

Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), monatlich 60 Milliarden Euro über Staatsanleihen in den Markt zu pumpen, hält er für falsch. "Woher sollen die Papiere in dieser Höhe kommen?", fragt er. Es mangele nicht an Kapital, sondern an Mut zur Investition. "Vermögende suchen händeringend Gläubiger", betonte Jorberg. So stand es auch in der Pressemitteilung. Er meinte Schuldner, also Menschen, die investieren und Kredite aufnehmen, im Falle der GLS Bank Menschen, die die Energiewende, die Mobilitätswwende, die Ressourcenwende, den sozial-ökologischen Wandel insgesamt voran bringen, in dem sie entsprechende Projekte aufbauen.

Die Deflation werde man mit mehr Geld nicht bekämpfen können. Die Überliquidität werde selbst bei anziehender Konjunktur nicht zu höheren Zinsen führen, die anhaltend niedrigen Zinsen hätten stattdessen eine massive Flucht von Anlegern in Aktien, Gold, Immobilien und landwirtschaftliche Flächen zur Folge. "Damit wird die Ungleichheit europaweit sogar noch verstärkt statt abgebaut", beklagt Jorberg. Gleichzeitig besteht ein hoher Finanzierungsbedarf in den Bereichen Soziales, Kultur, Ökologie, Forschung und Entwicklung, "der wirkungsvoll zu einem Abbau der Überliquidität genutzt werden könnte." 

Zwar seien Vorschriften für Bankgeschäfte nötig, doch die erfolgte Überregulierung besonders durch Dokumentationspflichten führe zu weniger Investitionen und Vertrauen, wie z. B. durch das angekündigte neue Kleinanlegerschutzgesetz: Bürgerbeteiligungen an sozialen und ökologischen Vorhaben würden dadurch nahezu unmöglich gemacht – nicht nur Crowdfunding. Eine Energiewende, wie sie durch private gemeinschaftliche Investitionen in den 1980er Jahren losgetreten wurde, wäre heute nicht mehr möglich, konstatierten auch anwesende Journalisten. "Nachdem die letzte Finanzmarktkrise durch Unverantwortlichkeit verursacht wurde, steht zu befürchten, dass eine Überregulierung die nächste Krise mit auslöst", schreibt Thomas Jorberg in seinem in Bochum vorgestellten Positionspapier Das Ende der Banken wie wir sie kannten – analog zu Elmar Altvaters Buchtitel Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen.

Anleger, die mit ihrem Geld bei geringen Zinsen nicht wüssten wohin, empfahl Jorberg die GLS Bank. "Wenn es schon keine Rendite gibt, so erhalten sie bei uns wenigstens Sinn", plädierte er. Die Anlagemöglichkeiten in die sozial-ökologische Realwirtschaft sollen 2015 auch in Richtung Aktienmarkt erweitert werden, so die Vorstände, weil man den Anlegern mehr nachhaltige Alternativen bieten möchte.

Quelle: www.factory-magazin.de


Positionspapier zu den Langzeitfolgen der Finanzmarktkrise
Thomas Jorberg, Vorstandssprecher der GLS Bank

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