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Donnerstag, 17. August 2017

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POPULATION BOOM - sieben Milliarden Menschen

Population Boom

Ein bekanntes Horrorszenario: sieben Milliarden Menschen auf der Erde. Schwindende Ressourcen, giftige Müllberge, Hunger und Klimawandel – Folgen der Überbevölkerung? Wer behauptet eigentlich, dass die Welt übervölkert ist? Und wer von uns ist zu viel? Nach dem großen Kinoerfolg von „Plastic Planet“ bereist der neugierige Dokumentarist Werner Boote unseren Planeten und untersucht für „Population Boom“ ein jahrzehntelang festgefahrenes Weltbild. Für ihn stellt sich  eine völlig andere Frage: Wer oder was treibt dieses Katastrophenszenario an?

Überbevölkerung wird von Medien, Politik und Wirtschaft seit vielen Jahrzehnten als eines der größten Probleme unseres Planeten abgehandelt. Ihr neuer Film „Population Boom“ hinterlässt nun überraschend viel positive Stimmung und Optimismus. War er von Anfang an als Plädoyer für mehr Menschlichkeit und Gerechtigkeit geplant?

Ich ging ursprünglich selbst davon aus, dass die Welt überbevölkert ist – wie das wahrscheinlich die meisten von uns tun. Ich habe das vorher nie hinterfragt, und so hatte ich eigentlich beabsichtigt, Überbevölkerung als die große Herausforderung für die Menschheit im Film darzustellen. Aber dann kamen die Recherchen und ich stellte fest, dass Überbevölkerung ein Begriff ist, der politisch sehr willkürlich verwendet wird. Und dass die wirklich essenzielle Herausforderung darin besteht, dass wir endlich dieses festgefahrene Weltbild der Überbevölkerung hinterfragen müssen. Denn erst dann sehen wir die großen, globalen Probleme – für die man gerne das Bevölkerungswachstum verantwortlich macht – aus einer ganz anderen Perspektive. Danach stand für mich fest, dass der Film die viel verbreitete Lust an der apokalyptischen Vision eines übervölkerten Planeten nicht bedienen würde, und so wurde das Thema auch sehr viel facettenreicher.

„Population Boom“ benennt jene globalen Probleme, von denen ich meine, dass wir sie gemeinsam schleunigst anpacken sollten und auch in den Griff bekommen können. Das geht aber nur zusammen. Auch wenn mich da manche einen Optimisten nennen mögen! „Population Boom“ räumt mit dem Märchen von der Überbevölkerung auf und ist ein Aufruf dazu, aktiv zu werden. „Boom“ bedeutet ja auch Aufschwung.
 


Das Bild einer bedrohlichen Überbevölkerung existiert schon sehr lange, seit Ende des 18. Jahrhunderts. Es geht auf die Theorie von Thomas Robert Malthus zurück, die besagt, dass die Nahrungsmittelproduktion nicht mit dem Bevölkerungswachstum mithalten kann. Wieso konnte sich dieses Bild so in den Köpfen der Menschen festsetzen? Wegen der Angst, teilen zu müssen! – Dieses Bild hat sich aber vor allem deswegen so verbreitet, weil gezielt dafür Stimmung gemacht wurde – und teilweise auch heute noch gemacht wird. Diese Kampagne hat so gut funktioniert, weil der Gedanke, dass es zu viele Menschen gibt, als Ausrede für vieles anwendbar ist. Überbevölkerung ist ein billiger Vorwand dafür, dass man selbst nichts tun muss. Denn es sind die zu vielen anderen, die Unheil anrichten. Das Märchen von der Überbevölkerung ist auch eine Ausrede dafür, den Kopf in den Sand zu stecken – angesichts der angeblich bereits eingetretenen Katastrophe –, anstatt sich zu engagieren.
 

POPULATION BOOM. Ab März/April 2014 in Deutschland in den Kinos.

Wann wird das Märchen besonders gern erzählt?

In welchem Zusammenhang wird vor allem von Überbevölkerung gesprochen? Beispielsweise werden Hunger, Armut, Umweltverschmutzung, Ressourcenknappheit und Menschenrechtsverletzungen oft als Folgen des Bevölkerungswachstums genannt. Fälschlicherweise! Noch immer denken manche, dass eine Milliarde Menschen deswegen hungern, weil es nicht genug Nahrung gibt. Doch weltweit werden genug Lebensmittel produziert, um die gesamte Menschheit ernähren zu können! Nebenbei: 1,5 Milliarden Menschen weltweit sind übergewichtig  – Die Gründe für Hunger sind schlichtweg Armut und Ungerechtigkeit. Jährlich sterben an Hunger weltweit so viele Menschen, wie Österreich Einwohner hat! Aber viele Menschen sehen nach wie vor arrogant weg.  Zu oft reden sich Konzerne, die sich der Ressourcenausbeutung und Umweltverschmutzung schuldig machen, darauf aus, dass es zu viele Menschen gibt, die unbedingt konsumieren „müssen“.

Oder es heißt: „Mehr Menschen bedeuten Ressourcenknappheit.“ Aber der ökologische Fußabdruck nimmt in den Ländern am meisten zu, in denen die Bevölkerung am wenigsten wächst! Das Problem ist also nicht der Bevölkerungswachstum, sondern die Art, wie wir leben, und die Art der Entwicklung.

Was bedeutet das für die Zukunft der reichen westlichen Welt?

Auch wenn die Weltbevölkerung in der Mitte des Jahrhunderts ihren Zenit mit zirka 9,5 Milliarden erreichen wird, wird es realistisch möglich sein, alle Menschen zu ernähren und für einen gewissen Wohlstand aller zu sorgen. Aber das geht nur, wenn wir uns gemeinsam zu der globalen Gemeinschaft, der  wir  immerhin angehören, bekennen und  diese  Entwicklung gemeinsam vorantreiben wollen. Das heißt: Die UNO muss endlich aufhören, Spielball der materiell reichen Nationen zu sein. Nur dann wird sie zwischen Staaten oder Völkern mit unterschiedlichen Vorstellungen positiv vermitteln können. Die EU-Staaten sollten sich auf die zunehmend ältere  Bevölkerung vorbereiten. Und es muss unterbunden werden, dass große Konzerne, reiche Staaten und wohlhabende Privatpersonen den Menschen das Land rauben! Besonders krass ist das in Afrika, wo sich zum Beispiel die Deutsche Bank, der Staat Schweden und viele andere im großen Stil einkaufen. Die Politik muss nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsformen forcieren und sollte gegen jene Finanzsysteme vorgehen, die kurzfristige Profitmaximierung auf Kosten von Menschen und  Umwelt dulden.

Und: Jeder von uns soll sich gegen Umweltverschmutzung, Ressourcenausbeutung, Klimawandel, ungerechte Verteilung und Landraub stark machen! Ich wünsche mir, dass „Population Boom“ auch als Denkanstoß verstanden wird: nämlich zu überlegen, was „reich“ wirklich bedeutet. Denn oft wird übersehen, dass „reich“ keineswegs nur die Anhäufung von Geld und Besitz ist. In dieser Hinsicht denke ich, dass wir alle Hände voll zu tun haben, die westliche Welt zumindest ein wenig reicher zu machen.
 
Sie sind durch die Arbeit am Film auch reich geworden: reich an Impressionen. Können Sie einen „bleibenden Moment“ während des Drehs festmachen? Ja, das war zweifellos die Fahrt auf dem Dach eines Zuges in Bangladesch! – Meine Angst, vom Zug zu fallen, verwandelte sich im Handumdrehen in eine Art Glücksgefühl, als mir die Menschen zeigten, wie sehr sie zusammenhalten können – und es in dieser Ausnahmesituation auch taten!  Im Film symbolisiert diese Szene für mich auch die positive Kraft, die in uns Menschen steckt. Wir sind ihr uns nur viel zu selten bewusst. Der Komponist Karwan Marouf hat für diese Szene übrigens den berührenden Song „Reach Out“ geschrieben.
 

Kurzbiografie von Werner Boote

Werner Boote wurde 1965 in Wien geboren. Er studierte Theaterwissenschaft, Publizistik und Soziologie an der Universität Wien sowie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Abteilung Film und Fernsehen. Nach langjährigen Regieassistenzen (u. a. bei Robert Dornhelm und Ulrich Seidl) begann Werner Boote 1993, eigene Filme zu machen. Seinen Schwerpunkt setzte er anfangs auf Musik, darunter die Musikvideos „Anouk – Sacrifice“ (1999) und „Andrea Bocelli – Cieli di Toscana“ (2002) sowie zahlreiche preisgekrönte Musikdokumentarfilme wie zum Beispiel „Kurt Rydl – der Gladiator“ (2007). Mit seinem bisher bekannteste n Dokumentarfilm „Plastic Planet“ (2009), der in den österreichischen Kinos 120 000 Besucherinnen und Besucher erreichte und international mehrfach ausgezeichnet wurde,  gewann  er die „Goldene Romy“  in der Kategorie „Bester Kinodokumentarfilm“. Zwischen 1993 und 2002 lebte und arbeitete Werner Boote in Amsterdam. Heute hat er seinen Wohnsitz in Wien.

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