Eco Fashion-Markt

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Für vier Tage war Berlin nicht nur die Hauptstadt Deutschlands, sondern auch die weltweite Metropole für das Fashion-Business. Am Prenzlauer Berg fand zum ersten Mal ein Eco-Catwalk statt. Und verteilt auf den Messen BREAD & BUTTER, Premium und TheKey.To haben über 100 Anbieter von Ökomode ihre Trends für die Herbst-/Wintersaison 2010/11 gezeigt, wobei TheKey.To mit über 50 Ausstellern auf Grüne Mode und nachhaltigen Lifestyle spezialisiert ist.

Eco Fashion hat ihren Platz in Berlin gefunden. TheKey.To hat dazu maßgeblich beigetragen. Die Messe in Kreuzberg fand zum zweiten Mal statt. Im Vergleich zur ersten Veranstaltung im vergangenen Sommer stieg die Zahl der Aussteller um 35%. Auch dieses Mal gab es zur Pressekonferenz ein großes Aufgebot an Politikern, Medien und Branchen-Insidern. Mittlerweile setzt sich auch der Berliner Senat für die Grünen Modemacher ein und fördert die neue Messe. „Wir stehen an einem Wendepunkt“, sagte Tanja Mühlhans von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen. „Ich muss zugeben, es hat einen Moment gedauert, bis ich verstanden habe, welches Potenzial in diesem Markt steckt. Heute frage ich mich: War ich blind? Mir ist klar geworden, dass wir unseren Fokus mehr auf Grüne Mode in Berlin richten müssen“, so Mühlhans weiter. Auch Renate Künast unterstützt das Engagement der Veranstalter Frans Prins und Gereon Pilz van der Grinten. Die Vorsitzende der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen wünschte sich, dass es künftig einfacher wird, Grüne Mode im deutschen Einzelhandel zu kaufen. Zugleich forderte sie die Eco Fashion-Szene zu neuen Allianzen auf. Um das Thema zu stärken, müsse man sich mit anderen Branchen stärker zusammenschließen.
Link Tipps > Seitenende

vilde_svaner„Ökomode ist keine Nische. Der Markt ist im Wandel und macht riesige Fortschritte“, bekräftigte TheKey.To-Veranstalter Prins. Selbstkritisch räumte er ein, dass die Messe nach wie vor am Anfang stehe und noch Potenzial habe, sich weiter zu entwickeln. Denn war das Interesse von Medien und Politik für die Veranstaltung auch groß, so hätten sich einige Aussteller mehr Besucher gewünscht. > tagesspiegel.de

In Hinblick auf die Trends ist Ökomode von konventioneller nicht mehr zu unterscheiden. Die Optik mit neuen Farben, Drucken und Schnitten steht im Vordergrund, erst danach wird das ökologische und soziale Engagement kommuniziert. Insbesondere was Stoffinnovationen anbelangt, ist die Grüne Szene kreativ: Das norwegische Label Fin experimentiert mit Stoffen aus Milchproteinen. Room to Roam aus München beschichtet Denim mit Biobienenwachs. Designerin Jitske Lundgren von Jux aus den Niederlanden stellt Pullover aus Angora her: Das wäre weiter nichts Besonderes, wenn die Garne nicht aus Fasern produziert würden, die beim Bürsten der Angoraziegen abfallen. Für das Jeans- und Streetwearlabel Kuyichi wie für viele andere wird der Einsatz von recycelten Materialien immer wichtiger. Wolle, Baumwolle und Polyester werden wieder neu aufbereitet und zu Stoffen für Jeans, Daunenjacken, Pullovern und Shirts verarbeitet. Viel versprechend ist das Label Nanai, eine Innovation des deutschen Lachsveredlers Laschinger GmbH aus Bischofsmais. Lachshaut ist für den Räucherlachsherstellers bislang ein Abfallprodukt gewesen. Nach jahrelanger Forschung hat das Unternehmen nun ein ökologisches Verfahren entwickelt, mit dem die Lachshaut ohne den Einsatz von Chrom und mit vegetabiler Färbung zu Leder verarbeitet wird. Erste Kunden sind Royal Blush, Mongrels in Common, Arrondissement AQ1, Michalsky, MCM by Michalsky und BMW.

War die Stimmung auf den Berliner Messen auch gut, so gaben die Negativ-Schlagzeilen in den Medien dem Ganzen einen schlechten Beigeschmack. Große Mengen zertifizierter > Biobaumwolle aus Indien sollen laut einem Bericht der Financial Times Deutschland durch gentechnisch manipuliertes Saatgut verunreinigt worden sein. „Der aktuelle Vorfall zeigt einmal mehr, dass das System noch Lücken hat. Jetzt kann man eigentlich nur Eins machen: Versuchen vorzubeugen und Wege zu finden, mit denen die Lücken geschlossen werden können, zum Beispiel mit lokalen Partnerschaften.“

Kaum ein Anbieter hat die Möglichkeit, jeden Schritt in der textilen Produktionskette zu kontrollieren und verlässt sich deshalb auf die Arbeit von Zertifizierungsunternehmen. „Unser Business basiert auf Mensch-zu-Mensch-Beziehungen. Es lebt von Vertrauen“, sagt Linda Mohrmann, die sich mit der Agentur L’Anima Agents auf den Vertrieb von Eco Fashion-Labels spezialisiert hat. Gerade was die Zertifizierungen anbelange, befinde man sich in einem Prozess, der sich ständig weiterentwickle. „Nachhaltigkeit ist eine langfristige Bewegung. Es ist deshalb aber auch immer an irgendeiner Stelle ein Kompromiss. Doch wenn wir etwas verändern wollen, dann können wir uns nicht in die Ecke setzen und warten, sondern wir müssen den Anfang machen und helfen, ein Bewusstsein zu schaffen.“

Zum Hintergrund: Über 50 Millionen Farmer in über 100 Ländern sind in den Baumwollanbau involviert. Für die Herstellung eines T-Shirts aus konventioneller Baumwolle kommen dabei etwa 150 Gramm Pestizide zum Einsatz. Etwa 1500 Modemarken und Einzelhändler verwehren sich dagegen und haben im Jahr 2009 Biobaumwolle in ihren Produkten eingesetzt. Die größten Abnehmer von Biobaumwolle sind der Einzelhandelsriese Wal-mart sowie C&A, Nike, H&M und Zara. Das Marktvolumen mit Produkten aus Biobaumwolle ist von 245.000 US-Dollar im Jahr 2001 auf 3,2 Millionen US-Dollar im Jahr 2008 gestiegen. Für 2009 liegen die Schätzungen bei rund 4 Million Dollar. In diesem Jahr sollen die 5 Millionen geknackt werden. Das geht aus dem Biobaumwoll-Bericht von Organic Exchange aus dem vergangenen Jahr hervor. Durch gentechnisch manipuliertes Saatgut kann die Ernte von Baumwolle insbesondere im ersten Jahr stark gesteigert werden, zugleich sind die Pflanzen resistenter gegen Parasiten.

www.csr-news.net
Autorin: Jana Kern / Kern Kommunikation


Green Avantgarde Berlin

Sozial ökologische Mode auf dem Prüfstand

Ökologische und sozial verantwortliche Mode mit Nachholbedarf. Green Avantgarde Berlin, die im Rahmen der etablierten Berliner Modewoche stattfand und Beispiele einer ökologisch verträglichen und sozial verantwortlichen Produktion von Mode aufzeigt. Die Zahl sozial-ökologischer Modeanbieter ist in den zurückliegenden Jahren deutlich gewachsen. Eine große Zahl kleiner Start-Ups drängt an den Markt. Was aber zeichnet eine “grüne” Mode aus? Der Veranstalter der Green Avantgarde, Karl-Rainer Ahé, musste auf eine entsprechende Journalistenfrage passen. “Hier halte ich mich zurück”, zitiert ihn die EthikBank, einer der Sponsoren der Veranstaltung, in ihrer Pressemitteilung.

Einen sehr lesenswerten Überblick zur Situation auf dem „grünen“ Modemarkt bietet die von Dominic Kloos verfasste Studie “Sozial ökologische Mode auf dem Prüfstand. Überblick und Analyse”, die das Institut für Ökonomie und Ökumene Südwind herausgegeben hat. Die Studie bietet eine Übersicht zur Geschichte sozial-ökologischen Denkens im Textil-und Bekleidungssektor, benennt die gegenwärtigen Akteure und zeigt Trends sowie Schwachstellen auf.
Sozial-ökologische Modeanbieter

204 Markenhersteller im Umfeld sozial-ökologischer Mode haben die Studienverfasser angeschrieben, trotz wiederholter Anfrage haben jedoch nur 23 den Fragebogen beantwortet. Bei den Umweltstandards halten 56 % der antwortenden Unternehmen nicht alle wichtigen Standards ein. Fast alle Unternehmen achten dagegen darauf, soviel wie möglich Bio-Baumwolle zu beziehen. Über die Hälfte der Befragten kauft und verkauft Textilprodukte aus fairem Handel. Obwohl über zwei Drittel angeben, alle ILO-Kernarbeitsnormen einzuhalten und zu übertreffen, ergab eine stichprobenweise Durchsicht der Webseiten Mängel bei den Sozialstandards und Kodizes der Unternehmen. Die heute verwendeten Siegel stellen nach Einschätzung der Studie kein befriedigendes Instrument der Einhaltung von Sozialstandards da. Auch fehlen konkrete Informationen zur Beschaffungskette und zu Einkaufspraktiken von Importunternehmen, so die Studie.

In den letzten Jahren ist der Anteil von Bio-Baumwolle an der globalen Baumwollproduktion stark gestiegen; trotzdem macht er zurzeit noch nicht einmal ein Prozent der Gesamtproduktion aus. “Ein starkes Wachstum des Marktes alternativer Modeanbieter ist trotz des derzeitigen Booms und einiger Fortschritte bei rechtlichen Regelungen… nicht anzunehmen, da die Produkte in der Regel teurer sind als Standardprodukte”, heißt es in der Studie. Ein Durchbrechen des Nischendaseins in größerem Stil sei eher unwahrscheinlich. Entscheidend sei etwa die Frage, wie sich das kritische Konsumenten-Verhalten entwickeln wird.

 

 

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Nachhaltigkeit + die Entdeckung Trojanischer Pferde…

Populäre Projektionen dessen, wie eine Bewusstseinsveränderung aussehen wird, sind in den meisten Fällen nur eine Neugestaltung der „alten Denkschablonen „. Eine größere, bessere Box, in der das Paradigma aufgewertet wird, das die Bedingungen verbessert, unter denen wir unsere Sucht auf eine „grüne“ Art und Weise genießen können.

So wichtig wie das ökologische Bewusstsein ist, es ist nicht genug. Das neue Paradigma kann nicht aus der intellektuellen Abstraktion einer dualistischen Interpretation einer „besseren Welt“ verwirklicht werden, die auf der Infrastruktur der existierenden Varianten-Matrix aufbaut, die dieses Paradigma erzeugt.

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