Prediger – die ersten Unternehmensberater

Optimismus, Zukunft und Scheitern

Hat sich noch nie jemand gefragt, wo plötzlich die vielen „Berater“ herkamen? Ein schier unüberschaubarer Markt an Beratungs- und Bildungsangeboten hat sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt. Dabei fällt eines auf: Überall werden die gleichen Sätze, die gleichen Aufforderungen und Gleichschaltungsmechanismen eingesetzt. Ein Großteil der insbesondere an Unternehmer und Arbeitnehmer adressierten Bereiche entstand aus der Idee des „Positiven Denkens“. Zur gleichen Zeit etwa, als die ersten „beraterischen“ Angebote für Unternehmen entwickelt wurden, nahm unter Milton Friedman und Friedrich von Hayek die Theorie des Neoliberalismus Gestalt an. Darin heißt es u.a., dass die Interessen des Marktes alternativlos seien, Menschen sich den Kräften des Marktes zu beugen hätten und „Freiheit durch Unterwerfung“ erlangen sollten. Obgleich die neoliberale Ideologie kapitalistisch ist, sprach manches darin auch Humanisten an. Vor allem Freiheit und Eigenverantwortung. Selbstwirksamkeit, Selbstbestimmtheit, aber vor allem Mitverantwortung sind Qualitäten, die jeder von uns anstreben sollte. „Positiv Denken eignet sich gut als Rechtfertigung für die brutalen Züge der Marktwirtschaft. Wenn der Schlüssel zu wirtschaftlichem Erfolg Optimismus ist, wenn man sich eine optimistische Haltung aneignen kann, gibt es fürs Scheitern keine Entschuldigung mehr. Behavioural Design, Nudging, Smart Manipulation Kehrseite der Positivität ist daher ein hartnäckiges Insistieren auf der persönlichen Verantwortung. Der Soziologe Ben Agger stellt in seinem Buch die Merkmale des „schnellen Kapitalismus“ vor:„Die kapitalistische Technologie, die nicht mehr freie Zeit ermöglicht, sondern Zeit komprimiert um noch mehr in der gleichen Zeit leisten zu können (…). Indem man Individuen dazu bringt, aus freien Stücken so viel ihrer freien Zeit für soziale Dienste, soziale Medien, Unternehmen und Konsum zu opfern, werden sozial- und gesellschaftlich gewachsene Grenzen niedergerissen und den Individuen private Räume und Freizeit verweigert. Diese beiden Merkmale sind im Kapitalismus aufs engste verbunden, da die Technologie die Zeit zu Ware macht (…) und gleichzeitig Überwachungsmedien zur Verfügung stellt, um noch mehr Zeit sparen zu können“. Berater predigen immer wieder, doch endlich Eigenverantwortung zu übernehmen, anstatt sich dauernd mit den eigenen Problemen zu beschäftigen. Lieber optimistisch in die Zukunft blicken und ein schönes Ziel formulieren – ungeachtet dessen, dass für viele der individuelle Handlungsspielraum immer kleiner wird. Mehr…

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Nachhaltigkeit + die Entdeckung Trojanischer Pferde…

Populäre Projektionen dessen, wie eine Bewusstseinsveränderung aussehen wird, sind in den meisten Fällen nur eine Neugestaltung der “alten Denkschablonen “. Eine größere, bessere Box, in der das Paradigma aufgewertet wird, das die Bedingungen verbessert, unter denen wir unsere Sucht auf eine “grüne” Art und Weise genießen können.

So wichtig wie das ökologische Bewusstsein ist, es ist nicht genug. Das neue Paradigma kann nicht aus der intellektuellen Abstraktion einer dualistischen Interpretation einer “besseren Welt” verwirklicht werden, die auf der Infrastruktur der existierenden Varianten-Matrix aufbaut, die dieses Paradigma erzeugt.

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