Nicht nur aufgrund der Flüchtlingszahlen nimmt die deutsche Öffentlichkeit internationale Krisen derzeit recht unmittelbar wahr. Konfliktlösungen allerdings sind kaum in Sicht, im Gegenteil: Politische und soziale Spannungen nehmen weltweit zu. Und sie kommen Westeuropa so nah wie lange nicht. Der BTI identifiziert Stärken und Schwächen der Steuerung von Transformationsprozessen im internationalen Vergleich und benennt Beispiele guter Regierungsführung. Er ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von knapp 300 Länder- und Regionalexperten von führenden Universitäten und Think Tanks weltweit.
Transformation Thinkers
Das Transformation Thinkers Netzwerk ist ein Dialogforum für den Erfahrungsaustausch und das interregionale, interdisziplinäre Lernen über gute Regierungsführung und demokratischem Wandel. Initiiert und konzipiert von der Bertelsmann Stiftung und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, trafen sich von 2003 bis 2015 mehr als 150 junge Akteure des Wandels aus 72 Ländern zur strategischen Reflexio und der Diskussion über Lösungsansätze zur Gestaltung von Transformation.
Für Transformationsprozesse zu rechtsstaatlicher Demokratie und sozialpolitisch flankierter Marktwirtschaft gibt es keine Erfolgsgarantie: Stagnation, Machtkonflikte und Staatsversagen gefährden Staaten auf ihrem schwierigen Weg des Wandels. Beispiele für gute Regierungsführung gibt es in jeder Region der Welt. Die Gestaltung des friedlichen Wandels zu rechtsstaatlicher Demokratie und sozialpolitisch flankierter Marktwirtschaft bleibt eine der anspruchsvollsten politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Dabei können politische Entscheidungsträger und ihre externen Unterstützer wesentlich von den Erfolgs- und Misserfolgserfahrungen früherer Entwicklungs- und Transformationsprozesse lernen.
Der Transformationsindex der Bertelsmann Stiftung (BTI) analysiert und bewertet die Qualität von Demokratie, Marktwirtschaft und politischem Management in 129 Entwicklungs- und Transformationsländern. Gemessen werden Erfolge und Rückschritte auf dem Weg zu rechtsstaatlicher Demokratie und sozialpolitisch flankierter Marktwirtschaft. www.bti-project.org
Globale Bestandsaufnahme: Die Welt wird ärmer. Radikaler. Undemokratischer
Autokraten herrschen brutaler, religiöse Fanatiker sind auf dem Vormarsch, wirtschaftlicher Aufschwung hilft nicht gegen Armut: Eine Studie der Bertelsmann Stiftung sieht die Welt in einer gefährlichen Schieflage.
1. Demokratie in Gefahr
Die Demokratie ist weltweit in Gefahr, selbst in bislang gefestigten Systemen greifen laut BTI autoritäre Tendenzen um sich, die Zahl der Diktaturen auf der Welt hat sich erhöht.
2. Religiöse Fanatiker auf dem Vormarsch
Auch der Einfluss religiöser Kräfte auf die Politik nimmt zu. In der Türkei treibt die mit absoluter Mehrheit herrschende Regierungspartei AKP die Islamisierung der Republik voran, in Nigeria haben zwölf Bundesstaaten die Scharia zur Rechtsgrundlage erhoben und untergraben so die säkulare Verfassung. In 21 Staaten spielten, so beklagen die Bertelsmann-Forscher, religiöse Dogmen eine größere Rolle im Staatswesen als noch vor zwei Jahren.
3. Die Wirtschaft wächst, die Armut auch
Eine „entwickelte Marktwirtschaft“ weisen die Forscher nur in zehn Prozent der 129 untersuchten Staaten nach. Zwei Drittel sind hingegen „funktional defizitäre“ oder „schlecht funktionierende“ Marktwirtschaften.
Ein Hoffnungsschimmer – oder ein Grund zur Sorge für die Mächtigen: Immer mehr Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern werden sich der teils brutal ungleichen Verteilung des Reichtums bewusst. Nach Stabilität und Sicherheit klingt das allerdings nicht. Quelle: www.spiegel.de/politik
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Bertelsmann Stiftung und Nachhaltigkeitsrat